Rennbericht

Oktober 16th, 2011

Dies ist also nun der Wettkampfbericht, größtenteils entstanden um 6:33 in der früh am Airport von LA - bitte verzeiht mir dass es kein literarisches Kunstwerk geworden ist.

Nachdem ich in der vorletzten Woche noch über 25h Training ins Log schreiben konnte (oder musste), war ich zu Beginn der Wettkampfwoche recht müde, was durch den Kaffeeverzicht, den ich mir die letzten Tage verordnet hatte, nicht gerade besser wurde. Ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich doch etwas Angst hatte, ob ich mich noch rechtzeitig erholen würde. Doch nach einem kompletten Ruhetag fühlte ich mich ab Donnerstag dann doch noch bereit das Rennen anzutreten :-)

Mit drei großen Bageln im Bauch und nach 6h erstaunlich erholsamen Schlafes ging es um 5 Uhr zur Wechselzone und zum obligatorischen Body Marking. Die Support Crew, bestehend aus Andrea und Birgit sowie Star Photograph Volker, schien deutlich mehr Probleme mit der frühen Uhrzeit zu haben, war aber eine echte Unterstützung beim Durchlaufen der unterschiedlichen Stationen: 1) Special Needs Bag (persönliche Wettkampfnahrung) 2) Body Marking (Startnummer auf die Arme stempeln)  3) Toilettenschlange 4) Wechselzone (Schuhe, Radflaschen, Riegel, etc. anbringen) 5) Schwimmbereich

Nach dem die Profis ja schon 30min vor uns im Sonnenaufgang gestartet waren, entschied ich mich möglichst früh ins Wasser zu gehen um noch ein wenig einschwimmen zu können und mir einen guten Platz im vorderen Bereich des Startfeldes zu sichern. Etwas blöd war allerdings nun, dass ich mich noch recht lange im tiefen Wasser aufhalten und auf Grund der starken ablandigen Strömung immer wieder rückwärts schwimmen musste. Den Start, der mit einem großen Kanonenschlag losgeht, erwischte ich gut, musste aber den ersten Kilometer sehr viele Prügel einstecken und manche auch austeilen. Nachdem sich das Feld auf dem Rückweg vom Wendepunkt etwas sortiert hatte, konnte ich auch endlich „gute Füße“ finden. Wer auch immer vor mir war, hatte sich das Schwimmen gut eingeteilt und legte auf den letzten Metern nochmal deutlich zu, wodurch ich teils kämpfen musste um dranzubleiben. Ich hatte mir ja eigentlich mal erhofft, nach 1:00h Schwimmzeit im Jahr 2009 die Stundenmarke zu knacken, war nach dem zwischenzeitlichen Schwimmtief im August dennoch froh beim Schwimmausstieg wieder die 1:00:xx h zu sehen. Zumal die Schwimmzeiten in diesem Jahr recht langsam zu sein schienen. In der Wechselzone hatte ich mir vorgenommen etwas Zeit zu sparen, und es lief auch eigentlich ganz gut, einen Einteiler ausziehen und im nassen Zustand ein hautenges Langarmshirt anzuziehen dauert aber doch eine gefühlte halbe Ewigkeit.

Auf den ersten Radkilometern, für die Ortskenntlichen, der ruppige Asphalt auf dem Kuakini H‘way, dann die erste Schrecksekunde: die Flasche in dem eigens für dieses Rennen montierten Flaschenhalter auf dem Aerolenker entwickelte ein Eigenleben und beschloss die Straßenunebenheiten zu nutzen um sich aus dem Staub zu machen. Zum Glück war nur Wasser drin und nicht das von daheim mitgebrachte Sponser Isogetränk. Trotzdem hätte ich mir gerne zu diesem Zeitpunkt mal den Mund ausgespült um den Salzgeschmack des Meerwassers loszuwerden. So bin ich dann erst mal mit trockenem Mund losgepest. Anfangs war ich etwas verunsichert, denn ich überholte deutlich weniger Leute als vor zwei Jahren, was an der besseren Schwimmplatzierung oder vielleicht doch an den vielen Trainingsstunden der Vorwoche lag? Ich beschloss, dass es wohl an der konservativen Strategie auf dem Rad liegen musste, die ich mir im Vorfeld vorgenommen hatte. Letztlich hatte ich in den letzten beiden Ironman-Rennen doch ganz schön Federn auf den letzten Radkilometern liegen lassen und die Marathonzeiten waren auch schlechter als in den früheren Langdistanzen. Also, diesmal langsam angehen lassen und auf die vielen Laufkilometer vertrauen die in den Beinen hatte. Selbst die zweite Woche vor dem Wettkampf enthielt nochmals knapp an die 100km, damit sollte das Laufen schon klappen. So fuhr ich erst mal in der „comfort zone“ bis Hawi, wo wie immer sehr starker Gegenwind im Anstieg auf die Athleten wartete. Um den Wendepunkt herum konnte dann das erste Mal sehen, dass die Strategie nicht die schlechteste war, denn ich überholte mit Rückenwind und Tempo 60 etliche Athleten, die sich wohl am Anstieg die Lichter ausgeschossen hatten. Auch auf dem Rückweg nach Kona, der von Gegen- und Seitenwind geprägt ist wurden es immer mehr, die ich ohne mein Tempo zu verschärfen plötzlich spielend überholen konnte. Darunter auch einige Jungs, von denen ich anfangs der Radstrecke nicht dachte, dass ich sie auf dem Rad nochmals sehen würde. Das an sich recht faire Rennen (zumindest der Bereich in dem ich mich aufgehalten hatte) wurde auf den letzten 50km wie auch schon 2009 zu einer Einzelkämpferaktion. Erst kurz vor Ende der Radstrecke überholte mich noch eine fast 10-köpfige Gruppe, die es zumindest zeitweise mit dem Abstandhalten nicht immer ganz so ernst nahm (ohne Vorurteile an den Tag legen zu wollen, waren es bestimmt Franzosen oder Italiener :-)). Bedingt durch den überwiegend vorherrschenden Seitenwind muss man auf Hawaii jedoch schon sehr unmoralisch fahren, um überhaupt einen merkbaren Vorteil zu haben.

Ganz anders als 2009, freute ich mich dieses Jahr auf den Wechsel in die Laufschuhe, denn ich hatte weder Krämpfe, noch fühlte ich mich so übervoll mit Iso im Magen wie vor zwei Jahren. Auch die Beine fühlten sich  verhältnismäßig locker an. Allerdings wusste ich auch, dass diesmal deutlich mehr Athleten vor mir vom Rad gestiegen waren. Bei vielen, die mir mit ihren dicken Oberschenkeln davonfuhren, hatte ich jedoch schon während dem Radfahren Hoffnung, dass ich sie vor dem Zielbereich wieder sehen würde. Zeitweise wirkte mir das Rennen eher wie ein langes Einzelzeitfahren, als ein Langdistanz-Triathlon, was sich auch durch die sehr vielen guten Radzeiten deutlich unter 5h bestätigte.

Als ich loslief, dachte ich zunächst, dass es doch gar nicht so laufen würde wie erhoffte, denn ich kam mir richtig langsam vor, obwohl es sich noch sehr locker anfühlte. Lag wohl wie so oft an der hohen Geschwindigkeit, die man noch vom Radfahren im Kopf abgespeichert hat. Als ich aber dann nach 1km auf den umgeschnallten Garmin blinzelte, war ich überrascht als ich dort eine 3:47 aufleuchten sah. Es lief also doch endlich mal wieder richtig Rund beim Laufen. Ich beschloss einen Ticken rauszunehmen und das Tempo pendelte sich bald zwischen 4:00 und 4:10 min/km ein, je nach Verpflegungsstation und Streckenverlauf, der auf dem Ali’i Drive nicht immer ganz flach ist.

Nachdem es die ersten 15km auf dem Ali’i Drive noch spielend lief, hatte ich im Kopf  noch den qualvollen Weg zum Natural Energy Lab und zurück abgespeichert, der auf dem großen Highway in der prallen Sonne fast schnurgerade verläuft und nicht zuletzt durch das ständige Bergauf auf dem Hinweg schier unendlich erscheint. Wie so immer, wenn man das schlimmste erwartet ist die Realität dann nur halb so wild. So konnte ich weiterhin das Tempo fast halten und die mir nun entgegen kommenden Profiathleten gaben eine willkommene Abwechslung. Ich hatte auch noch genügend Kraft unsere deutschen Jungs anzufeuern, auch wenn es leider wieder keiner davon ganz noch oben geschafft hat.

Es lief zunächst recht unspektakulär bis zum Eingang ins Natural Energy Lab (etwa km 27), ich konnte weiterhin Stück für Stück den einen oder anderen Platz gutmachen. Bis dahin dachte ich eigentlich, ich sei ziemlich gut zu Fuße unterwegs, doch als ich plötzlich schnelle Schritte von hinten hörte, dachte ich fast, dass sich wohl einer der Top-Athleten verlaufen haben musste. In rasanten Schritten wurde ich jedoch nicht von einem Profi, sondern einem Amateur aus meiner Altersklasse überholt, der mit 2:43 die drittschnellste Marathonzeit aller gestarteten Athleten hinlegte. Bei einem Chat auf der Siegerehrung erfuhr ich, dass er zwischenzeitlich sogar davon träumte, den langwährenden Marathonrekord von Mark Allen zu brechen. Bei einer 29er Bestzeit auf 10km Crosslauf, war es allerdings auch keine Schande von diesem Kerl so überlaufen zu werden. Ich behielt also die Nerven und machte mich auf den ca. 12km langen Rückweg bis zur Zielgeraden. Die Oberschenkel fingen nun langsam richtig an zu schmerzen, doch energetisch fühlte ich mich noch bombastisch. Ich überlegte hin und her, ob ich noch an Tempo zulegen sollte, doch der Schmerz in den Oberschenkeln hatte in meinem Kopf die überzeugenderen Argumente. Bei Mile 24, ungefähr 4km vor Ziel, war ich mir dann doch recht sicher nicht mehr einbrechen zu können und legte nochmal einen Zahn zu. Immerhin sah ich wenige hunderte Meter vor mir noch ein paar Athleten, die ich vielleicht noch einholen könnte. Etwa 1,5km vor Ziel, waren es noch zwei, die greifbar schienen, also konnte ich wieder einmal den Zieleinlauf nicht genießen, sondern Lief als ob es um mein Leben ging. Die Auswertung des Garmin ergab einen Kilometerschnitt von unter 3:40 auf dem letzten Kilometer, der sich jedoch voll und ganz gelohnt hatte, denn es bedeute nicht nur zwei Plätze in der Gesamtwertung, sondern auch zwei Plätze in meiner Altersklasse. Es tat mir natürlich ein wenig Leid für die Überspurteten, die ich zumal witziger Weise beide kannte. Den einen aus der BaWü-Triathlon-Liga, den anderen aus Wisconsin, wo er die Altersklasse vor mir gewann. Diese Revanche war also gelungen.

Nachdem wohl problemlosesten Rennen in meiner Langdistanzkarriere war ich im Ziel überglücklich ein sehr gutes Rennen gemacht zu haben, das für mich sehr gute Ergebnis von 2009 nochmals bestätigen zu können und es erneut auf die Siegerehrung der Amateure geschafft zu haben. Nachdem meine 2009 auf Hawaii gewonnene Uhr auf dem Hinflug kaputt gegangen war, konnte ich so direkt für Ersatz sorgen :-)

Insgesamt hatte ich das Rennen dieses Mal sehr gut weggesteckt. Statt der üblichen Durchfallprobleme nach einer Langdistanz vertrug ich alles was ich aß und machte mir eher sorgen, dass ich einen vollen Tag nach dem Rennen immer noch nicht groß auf Toilette war. Die letzten Tage auf Hawaii waren dann auch richtig schön: Party bis 5h in der Früh, Erholung, Sightseeing, Vulkanbesteigung auf 4200m (amerikatypisch mit dem Auto), Schwimmen am Pier und Kaffeetrinken. Insgesamt alles viel zu schön, um nicht zu versuchen nochmals herzukommen. Es muss ja nicht gleich wieder mit dem Ziel einer persönlichen Bestleistung sein…

In diesem Sinne nochmals Danke an alle, die mich auf dem Weg dorthin unterstützt haben (Familie, Freunde, Coach Lubos Bilek, Vereinskameraden, Arbeitskollegen und Chef), ohne Euch wäre das alles nicht möglich!

Aloha!

Steffen

Photos

Alles hat ein Ende...

Oktober 14th, 2011

Sehr schöne Tage neigen sich zu Ende - heute abend geht es auf die lange Reise nach Hause. Warum ist heimreisen eigentlich gefühlt immer doppelt so lang wie anreisen? Durch die Zeitverscheibung kann ich das sogar knallhart nachweisen: wir fliegen Donnerstag abend ab und kommen erst Samstag früh in Deutschland an  ;-)

Ich habe mir fest vorgenommen die Zeit im Flieger zu nutzen und endlich einen Bericht zu schreiben. Wenn ich diszipliniert genug bin, gibt es dann Samstag nachmittag was längeres hier zu lesen...

Ein letztes Aloha von Hawai'i!!!

Steffen

Mission erfüllt

Oktober 10th, 2011

Geschafft! Das Triathlon Jahr 2011 ist nun auch für mich offiziell zu Ende :-) Mir geht es erstaunlicherweise sehr gut, besser als nach jedem anderen der sieben Ironman Rennen die ich bisher bestritten habe. Das Rennen war zwar hart, aber eigentlich zu keiner Zeit eine Qual. Dieses Mal habe ich mir die Körner wohl bis zuletzt sehr gut eingeteilt und die letzten Meter noch im Zielsprint absolvieren können.

Einen ausführlichen Bericht und Photos liefere ich in den kommenden Tagen nach, da Sonne, Strand und Wellen heute einfach verlockender sind, als vorm PC zu sitzen :-)

Nochmals Danke an alle für die liebe Unterstützung, an die Supportcrew vor Ort mit Birgit und Star Gast Volker S., an meine Familie die daheim mitgefiebert hat, an Lubos für die tollen Trainingspläne, an die Arbeitskollegen und Freunde für Ihr Verständnis und ihren Support und allen voran natürlich an Andrea, die mich nicht nur als erste im Ziel erwartet hat, sondern auch die letzten Wochen und Monate immer für mich da war!

Name Country Swim Bike Run Finish Div. Rank Overall Rank

Haak, Steffen GER 01:00:28 04:59:11 02:58:21 09:05:10 2 51

Ready to race

Oktober 8th, 2011

Jetzt sind es noch gut 18 h bis zum Startschuss und die Nervosität steigt langsam aber stetig. Obwohl ich mich dieses Jahr besser vorbereitet habe als 2009, fühle ich mich definitiv weniger sicher als vor zwei Jahren. Vermutlich liegt es daran, dass ich damals naiv und unvoreingenommen ins Rennen gegangen bin, diesmal hingegen weiß ich welche Qualen mich hier erwarten und wie schnell aus all den Hoffnungen auf ein passables Ergebnis ein 14h Finish werden kann :-)

Mein Hauptziel habe ich dennoch bereits erfüllt: ich habe im Vorfeld gut trainiert und werde morgen fit und gesund an den Start gehen. Alles weitere wird man dann sehen.

Wer mich im Internet live verfolgen mag, der gehe auf www.ironman.com. Meine Startnummer (BIB) ist die 1755. Es gibt dort auch einen Video Stream. Das HR-Fernsehen überträgt zudem live, aber erst kurz nach Mitternacht…

Vorab schon mal Danke an alle die mitfiebern und/oder mir im Vorfeld viel Glück gewünscht haben!

Aloha!

Steffen

Bilder der ersten Woche online

Oktober 2nd, 2011

Im Photo-Blog findet Ihr ein paar Bilder aus dieser Woche. Auch wenn die Bilder nicht danach aussehen, stand in den letzten Tagen noch einiges an Training auf dem Programm. Wenn das Gefühl nicht trügt, sollte die Form aber ganz ordentlich sein :-)

Mehr dann wieder in ein paar Tagen!

Liebe Grüße aus Kona!

Steffen